Pfahlweg in Campemoor

Alf Melzer
Pfahlwegausgrabungen

Seit 1991 laufen Ausgrabungen in Campemoor, die auf engstem Raum bisher 6 Pfahlwege (Bohlenweg) zutage gefördert haben. Der Älteste wurde um das Jahr 4.800 vor Christus angelegt und ist somit der älteste noch erhaltene, von Menschen angelegte Verkehrsweg der Welt! Der zweitälteste Weg stammt aus der Zeit um 4.100 v. Chr.

Die Wege wurden gebaut, um das feuchte Gelände von einer Sandinsel zur anderen zu überbrücken. Die Erbauer bedienten sich dabei der Bäume, die in unmittelbarer Umgebung wuchsen. Nach zwei bis drei Generationen war ein Weg verfallen und wurde aufgegeben. Mit dem Wachsen des Moores gerieten die älteren Wege in Vergessenheit. Erst viele Generationen später bauten Menschen wieder Wege an der gleichen Stelle, ohne von den alten Wegen zu wissen. Der „jüngste“ Weg entstand um das Jahr 2.900 v. Chr. Über die Erbauer der Wege ist fast nichts bekannt. Außer einem Steinbeil, das auf einem der Wege gefunden wurde, hinterließen sie kaum Spuren.

Zuständig für die Ausgrabungen ist das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Ausgrabungsleiter vor Ort ist Alf Metzler, der vom Grabungstechniker Hans Schwarz unterstützt wird. Eine Besichtigung der Ausgrabungen ist nur nach vorheriger Terminabsprache möglich.

Heimatverein Ankum besucht Campemoor

Neuer Pfahlweg entdeckt

Minister Stratmann im Moor

Heimatverein Ankum besucht Campemoor

Alf Melzer
Alf Melzer

Eine 40köpfige Fahrradgruppe des Heimatvereins Ankum besuchte jetzt Campemoor. Erste Station war die Ausgrabungsstelle des ältesten Bohlenwegs der Welt (erbaut um 4.800 vor Christus). Ausgrabungsleiter Alf Metzler vom Nieders. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gab vor Ort interessante Einblicke in seine Forschungsergebnisse. Am Vereinshaus in Campemoor legten die Radler eine Picknickpause ein.

Anschließend zeigte Rainer Duffe den Besuchern aus dem Altkreis Bersenbrück die Abtorfung, die durch ihr Vordringen in die Kernsiedlung Campemoor zu erheblichen Konflikten mit der Landwirtschaft führt. Duffe wies darauf hin, daß die vom Land Niedersachsen verlangte Folgenutzung der abgetorften Flächen, die Wiedervernässung, auch den Wohnwert in Campemoor auf Dauer stark beeinträchtigen werde.

Rainer Duffe
Rainer Duffe

Der Vorsitzende des Vereins, Georg Hummert, sowie der Organisator der Tour, Karl Wanstrath, bedankten sich mit Buchgeschenken bei Alf Metzler, Rainer Duffe und Udo Thörner, der das kleine Programm in Campemoor zusammengestellt hatte.

Neuer Pfahlweg entdeckt!

01.06.2004. Bei den Ausgrabungen in Campemoor ist jetzt ein weiterer Pfahlweg (Bohlen-weg) entdeckt worden. Das Alter dieser steinzeitlichen Verkehrsverbindung über das Große Moor wird auf ca. 6.500 Jahre geschätzt. Damit dürfte der Moorweg fast so alt sein wie der älteste der Welt (6.800 Jahre), der sich ebenfalls in Campemoor befindet.

Anläßlich einer Führung für den Männerkreis der Walburgiskirchengemeinde Venne wies Ausgrabungsleiter Alf Metzler vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege darauf hin, daß nun insgesamt sechs Wege auf engstem Raum in Campemoor gefunden worden seien. Seit 1991 läuft die Ausgrabung; von Mai bis November 2004 sind dort wieder sechs Mitarbeiter mit dem Freilegen der Wege beschäftigt. Im Sommer erhält Metzler zusätzliche Unterstützung von freiwilligen Helfern sowie von Teilnehmern des Ferienprogramms „Achtung Archäologie”des Tourismusverbandes Osnabrücker Land. 200 Meter des jüngst ent-deckten Weges (Arbeitstitel: Nr. 36) sollen in dieser Grabungssaison untersucht werden.

Alf Melzer und der Männergesangsverein
Ausgrabungsleiter Alf Metzler (2. v. links) erläuterte den Führungsteilnehmern vom Männerkreis der Kirchengemeinde Venne die neuesten Forschungsergebnisse zu den Pfahlwegausgrabungen in Campemoor.

Die Hölzer für den „jüngsten” Weg (Nr. 32) wurden nach der dendrochronologischen Alters-bestimmung zwischen 2.890 und 2882 v. Chr. gefällt; der älteste Weg (Nr. 31) wurde um 4.800 v. Chr. angelegt. Den Grund für die Häufung so vieler Moorwege sieht Alf Metzler in der Tatsache, daß ein Weg nur etwa eine Generation hielt und danach aufgegeben wurde. Außerdem wuchs das Moor immer weiter an, so daß vorhandene Wege nach einigen Jahr-hunderten komplett von neuen Moorschichten bedeckt waren. Zu der Zeit, als der erste Weg entstand, gab es mehrere Sandinseln, die aus dem Moor herausragten und durch die Wege verbunden wurden.

Auf einer der Sandinseln, die sich gegenüber dem heutigen Hof Hensing befand, hat der Archäologe Metzler mit seinen Mitarbeitern schon vor einigen Jahren Hinweise auf einen Lagerplatz von Steinzeitmenschen entdeckt, die die Moorwege angelegt haben könnten. Der Lagerplatz dürfte in Beziehung stehen zu weiteren 250 Siedlungsplätzen in der Dümmerregi-on, die in den vergangenen Jahrzehnten nachgewiesen werden konnten. Auffällig ist, daß offenbar alle Wege entlang eines Sees ausgerichtet waren, in dessen Nähe die Siedlung lag.

Zwei Wege (Nr. 33 und 34) dürften nach dem Alter ihres Holzes etwa 3.700 v. Chr. gebaut worden sein. Auch sie werden derzeit weiter ausgegraben. In der Regel ist der Unterbau eines Weges aus Birken-, der Oberbau (also die begehbare Ebene) aus Kiefernholz errich-tet. Die Hölzer wurden in unmittelbarer Nähe geschlagen und sogleich verlegt. Hinweise dar-auf, daß die Wege mit Wagen befahren wurden, hat Metzler bisher nicht gefunden, obwohl das Rad seit etwa 3.500 v. Chr. nördlich der Alpen bekannt war. Außer einem Kuhhorn wur-den auf oder neben den Wegen bisher auch keine nennenswerten Funde gemacht. Ausgra-bungsleiter Metzler setzt zur Prospektion des Geländes Erdradar ein.

Der Leiter des Männerkreises der Venner Kirchengemeinde, Hermann Post, und Pastor Friedrich Hülsmann bedankten sich bei Alf Metzler für die ausführliche und sehr lehrreiche Schilderung der Grabungssituation. Die archäologischen Arbeiten in Campemoor dürften auch in Zukunft noch einige Überraschungen bereithalten.

Minister Stratmann im Moor

Minister Stratmann besichtigt den Pfahlweg
(für größere Ansicht bitte Bild anklicken!)
Foto: Udo Thörner, Campemoor

Zu einem Informationsbesuch kam jetzt der Niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann nach Campemoor bei Vörden. Seit über 10 Jahren werden hier alte Pfahlwege ausgegraben, die in früheren Jahrtausenden das Moor überquerten. Der älteste der inzwischen sechs gefundenen Bohlenwege stammt aus dem Jahr 4.800 v. Chr. und ist damit sogar der älteste Pfahlweg der Welt. Stratmann (Bildmitte) ließ sich vor Ort an der Ausgrabungsstelle ausführliche Erläuterungen der Wissenschaftler geben. Auf dem Bild: Alfons Schröder (stellvertr. Bürgermeister der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden, Dr. Henning Hassmann (Leiter des Referates Archäologie im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege), Dr. Andreas Bauerochse (Bodenkundler, Hannover), Alf Metzer (MA, Moorarchäologe und Ausgrabungsleiter vor Ort), Reinhold Coenen (MdL, Ankum), Wissenschaftsminister Lutz Stratmann, Prof. Dr. Roland Zühlke (MdL, Osnabrück), Dr. H. H. Leuschner und Barbara Leuschner (Dendrochronologen, Universität Göttingen).